Aber es lebt vielleicht in der Liebe zwischen Männern der uns allen eigene Wunsch, Harmonie herzustellen zwischen der verheerenden Lust des Fleisches und der erhabenen geistigen Freundschaft. Diese wächst mit ihrer Beständigkeit und durch lange Dauer, und für sie ist Untreue ein Widersinn. Je größer der Kreis der Menschen, die sie umfaßt, desto besser.

Die Sinnenliebe dagegen ist egoistisch und duldet keinen Dritten, ermüdet bei allzureichlicher gleicher Kost, um dann zu erkalten.
Wie kann Friede geschlossen werden zwischen Mann und Frau? Wie ist unser vollständiges Glück zu schaffe? Eines ist jedenfalls sicher: Das Ideal höchster Freundschaft wäre nur durch Mann und Frau zu verwirklichen, wenn sie gleichzeitig Freunde und Liebende sein und bleiben könnten.

Ich spreche von Wesen, die in den Krallen des Dämons Sinnlichkeit gefangen sind.

Ich selbst habe diese höchste Freundschaftsliebe nur für kurze Augenblicke erlebt, doch dann war sie herrlich wie ein Fiebertraum.
Schuld daran trägt der Dämon Sinnlichkeit, der nichts anderes ist als eine außergewöhnliche Fähigkeit, heftig und ausdauernd zu lieben, der aber durch ein unbezähmbares Verlangen, durch einen zügellosen Wunsch nach dem Unbekannten, dem ewig Unbekannten sündigt.

Mit einem Wort: dieses Ideal, Freundschaft mit Sinnlichkeit zu paaren und zu einer beglückenden Einheit zu verschmelzen, ist ein Ziel, das letzten Endes keiner erreichen kann, ohne seine brennendsten Leidenschaften zu opfern.

Panait Istrati