5.4. Anreise mit Motorrad zur Brigitte und weiter mit Auto und die 560km waren schnell hinter uns gebracht.

Schlüssel fürs Haus unter einem Stein, die Vermieter bekamen wir nicht zu sehen, nach dem wir uns auf kroatische Wohnverhältnisse eingestellt hatten waren wir echt froh über diese wunderbare Unterkunft – ein bissl veraltet alles, aber vollkommen ausreichend, und wir hatten eine Heizung, was sich im Nachhinein als sehr angenehm herausstellte!

6.4. Samstag, schönes Wetter, also raus mit uns und ab in die Velika Paklenica Schlucht, mal schauen wies dort so ist.

Zuerst mal erschlagen von den Eindrücken eine geeignete Route, den Zustieg zu dieser und den Einstieg suchen – unsere Wahl fiel auf die „Šaleški“ am „Anića kuk-Stup“. Mit 5a/b bewertet erwarteten wir uns eine gemütliche Kletterei, um die Verhältnisse hier kennen zu lernen.

Gemütlich war dann anders, für mich im Vorstieg war die Route unterbewertet, was eventuell auch auf die weiten Hakenabstände, aber sicherlich nicht nur, zurückzuführen war. Bei uns wäre dieser Route sicherlich eine 5b/c vergeben worden – und ich dacht mir „ich hatte doch noch nie Probleme in dem Schwierigkeitsgrad!“

Wir kletterten die 4 SL, wobei ich mir im Nachhinein nicht ganz klar war, was der Unterschied zwischen der Šaleški und der Route „Trik“ war, weil der Führer ein bissl ungenau ist wie ich meine. Abgesehen davon, dass die Bewertung hier ein bissl untertrieben war, sind im Führer keine Haken eingezeichnet, noch sind Seillängen angegeben – also gewöhnungsbedürftig.

Vorab – mit 50m Halbseilen geht sich fast alles aus, wenn auch haarscharf ?

Beeindruckt von den Routensetzern seilten wir uns an der Rückseite von Anića kuk-Stup“ ab, vom letzten Stand aus, wo die Route „Kava kod Dinka“ endet, probehalber und nicht wissend, ob sich das ausgeht mit dem 50m Halbseilen – und es ging sich aus, wenn man genau auf einem 2m hohen Felsgebilde zum Stehen kommt. Wenn nicht, fehlt einem ein halber Meter bis zum Boden bei voller Seildehnung und den Knoten im Ende der Seile im Sicherungsgerät ?

Und gut, dass wir das so ausprobiert hatten …

Die 50m kommen zustande, weil der Wandfuss auf dieser Seite höher liegt und wir 20 oder 30m abklettern mussten, um auf den Weg, der uns wieder zurück ins Tal brachte, zu kommen – natürlich muss man hier wieder den Fluss queren … nicht das letzte Mal.

Die Flüsse haben es uns angetan, wie man noch erfahren wird.

Zurück in die Unterkunft und kochen was das Zeug hält, weil Brigitte sonst verhungert :)

7.4. das Wetter war nicht ideal, darum ein kleiner Ausflug in die Mala Paklenica, das kleine Tal.

Hier wurde noch kein Eintritt verlangt und dieses Tal ist eindeutig das ruhigere, weil dort klettern verboten ist.

Das Flussbett war trocken, dafür regnete es nach einiger Zeit und wir warteten geduldig, bis es wieder weniger regnete. Dann wieder zurück zum Eingang und wieder untergestellt, weil wieder Regen, warten und zurück zur Unterkunft und kochen, Brigitte verhungert andauernd :)

8.4 Freunde von uns, Regina, Hedi und Rudi, nehmen sich das Flussbett vor – wir ihnen nach, Wetter war nicht wirklich zum Klettern geeignet.

Diesmal Flussbett voller Wasser! Regina, Hedi und Rudi verzichteten auf Fußbäder, wir schritten voran …

Unbenetzt kamen wir natürlich nicht bis zum Waldweg, der endlich links aufsteigend durch den Wald zum „Sv. Jakov“, wahrscheinlich einer verfallenen Kapelle, und zur Abzweigung zurück nach Seline, wo wir untergebracht waren, führte.

Ich behielt die Schuhe im Flussbett gleich an, damit ich die Turnerei über die Felsen zwischen und in den Wasserläufen möglichst unbeschadet und mit mehr oder weniger warmen Füßen überstehe – Brigitte absolvierte die Übung ohne Schuhe, hatte schlussendlich auch trockene Schuhe und Füße.

War eine wirklich aufregende und stellenweise lange Kletterei in einem Flussbett mit Wasser. Wir brauchten für die Runde mit Pausen ca. 8 Stunden, ohne Wasser soll das ganze in 5 Stunden zu schaffen sein - wobei mir die Angabe recht knapp vorkommt.

Der Rückweg führte uns durch wunderbare Landschaft mit wilden Salbei und Rotbeeren-Wacholder, Blumenwiesen, an Steinmauern und einem halbwegs intakten Steinhaus vorbei – wirklich empfehlenswert dieser Weg, beim Abstieg immer den Meereskanal vor Augen samt Sonne.

Zurück zur Unterkunft, genug für eine kleine Wanderung – kochen was das Zeug hält – Brigitte verhungert :)

9.4. aber jetzt. Das Wetter passte, die Route war auch klar, wir nehmen uns noch einmal dieselbe Wand nur eine danebenliegende Route vor, wobei ich, wie schon weiter oben beschrieben, den Unterschied nicht wirklich sehen oder finden konnte, weil da einfach keine Haken waren, wo die Route „Trik“ verlaufen sollte.

Egal, wir hatten höhere Ziele!

Am selben Stand wie zuvor angekommen, erklommen wir einen kleinen Felshügel und standen an unserem Stand zur Route „Brid za veliki čekić“.

Da geht’s erst einmal raus in die senkrechte Wand, also eine wunderbare Querung! Der Schwierigkeitsgrad war gleich einmal so gewählt worden, dass ich nicht wieder mit einer Unterbewertungsüberraschung rechnen musste – also so zwischen 4a und 5b+ in der letzten SL zum vermeintlichen Ausstieg, 6/7 SL.

Suuuper schön, klettern an Henkeln, ausgesetzte Querungen, dass einem das Herz höher schlägt (wer sie mag), nach oben hin nicht mehr so ausgesetzt, vermeintlich letzte SL wirkliche 5b+, Verschneidung ohne Griffe, wenn man die Originalroute wählt, ein bisschen links davon geht’s im Mittelteil einfacher, weil ohne Hände, nur auf Reibung und mit Hakenabständen zwischen 5 und 10m mach ich mir ins Hoserl.

Egal, ist eh die letzte SL, dann, zumindest in meinem Kopf, nur mehr der Weg rauf zum Normalweg und Gipfel und diesen runter – aber was seh ich, eine Wand vor mir, links und rechts geht’s runter, ein Stand und dann würde es links wieder in die senkrechte Wand gehen!

Da haben wir es dann geschnallt – weiter würde es über die Route „Brahm“ gehen, die erste bestiegene Route in dieser Wand. Nach einem Kletterer benannt, der beim Versuch den Anića kuk durch die Nordwand zu besteigen ums Leben kam.

Voll motivierend!!!

Nein, die geh ich auf keinen Fall – wobei ich jetzt gerade sehe, dass es sich da nur mehr um 2 SL gehandelt hätte, 5a und 4b+, die wären zu schaffen gewesen!

Wir haben uns aber über die gekletterte Route wieder abgeseilt, weil, wie Brigitte richtig erwähnte, das Abseilstände waren, mit großen Ringen!

Abseilen war dann eigentlich recht gut möglich, natürlich wieder Luft unterm Hintern und auch noch ein bissl schräg, lies sich aber gut machen, nur … es wurde langsam dunkel ?

Da half uns, dass wir das Abseilen an der Westwand ja schon geübt hatten und ich eine Stirnlampe mithatte, im Dunkeln also runter auf den /2m hohen Vorsprung und abgeklettert und runter den Wandfuss und über den Fluss und es war 22 Uhr ca.!

Ich muss auch noch dazu sagen, dass wir immer gut schliefen, viel kochten, ordentlich frühstückten und somit niemals vor 12 Uhr beim Einstieg sein konnten! ?

Vor dem Abseilen blieb und natürlich auch noch einmal das Seil hängen, aber so geschickt, dass ich mich selber raufsichern und das Problem beheben konnte – dort ist abseilen wegen der Felsbeschaffenheit nicht immer einfach, Einschnitte, teils messerscharfer, rauer Fels und Laschen, in denen sich das herunterfallende Seil noch verfangen kann – aber alles ging gut.

10.4. hochmotiviert marschierten wir mit dem Kletterzeug in Velika Paklenica ein, wir wussten noch nicht genau was es werden sollte, eine Kletterei oder eine Wanderung, kamen bis zum Souvenir-Geschäft, dann Regen – wir waren noch nicht weit, zurück zur Unterkunft, Yoga machen.

Die Tage, an denen wir nur kleine Wanderungen wanderten oder wie heute, gar nichts möglich war, verbrachten wir teilweise mit Yoga – wunderbar war das und wir hatten immer genug Bewegung!

Langsam wunderts mich nicht, dass Brigitte so reinschaufeln kann, die bewegt sich quasi unaufhörlich!!!

Zwischen dem Klettern, Wandern und Yoga führten wir auch recht anregende Gespräche über Essen, Gott und die Welt – also fad wurde uns niemals, ich glaub sogar das war einer der vollsten Wochen meines Lebens!

11.4. Nächster Tag, schlechtes Wetter, die kleine Wanderung ging über den schon bekannten Rückweg Richtung Sv. Jakov nur vorher links abbiegen zum Anića kuk und diesen umrunden und absteigen ins Velika Paklenica und zurück durchs Tal und von Starigrad über die Schotterstraße dem Gebirgszug entlang nach Seline – sehr schöner Weg und die zweite Hälfte der Wanderung hat es nicht einmal geregnet! ?

Unterkunft, essen – ich glaub am Tag zuvor hatte ich Lasagne gekocht, von denen unsere drei Freunde auch noch etwas abbekamen und es war so viel, dass auch noch etwas für uns über war.

Jetzt fällt es mir wieder ein, am Vortag haben wir, bevor wir zu unseren drei Freunden zum Essen eingeladen waren, Lasagne gegessen, damit wir nicht verhungern ?

12.4. klettern! Letzter Klettertag – neues Gebiet erkunden, „Veliki Ćuk“, Route „Centralni kamin“. Wir fanden den Einstieg und es begann zu regnen, nach den vorherigen Tagen und mutig wie wir eben sind, unberührt weiter klettern. Außerdem hingen rund um uns Menschen in den schwierigsten Routen – also kann es ja nicht so arg werden und Weicheier sind wir keine ?

Wieder wunderschöne Kletterei, diesmal stimmen die Angaben zur Schwierigkeit, nur hab ich mich verkoffert, was aber nichts macht, dort kann man rauf und rüber und abseilen wie man will, ist dann eventuell in der richtigen Route, in einer SL mit einer Verschneidung, Hakenabstände von 10m sind wieder nichts ungewöhnliches – umklettert diese Stellen, wenn möglich und kommt oben irgendwo raus, runter den im Führer beschriebenen steilen Pfad in die Schotterrinne zwischen Anića kuk und Veliki Ćuk, mit Stahlseil gesicherter Auf-/Abstiegsweg, aber erst unten, oben muss ma ein wenig abklettern – diesmal keine Flußüberquerung notwendig und schon stehen wir wieder beim Auto.

Diesmal gehen wir aber essen, ich will nix mehr kochen ?

Wunderbares Lokal am Meer, sehr liebe Kellner, noch nix los, nur Kroaten und wir – unsere Freunde brauchen noch, weil die schon wieder auf einem Berg waren. Die trieben sich gerne im Regen und bei Schneefall herum, weil sie nicht kletterten, dafür hoch rauf mussten bei ihren Wanderungen.

Fisch wunderbar – alles aufgegessen, fast zu viel für Brigitte! Plötzlich stehen die 3 vor dem Lokal – na sehr gute Planung! Alle essen und trinken und reden durcheinander, es gibt viel zu erzählen – von Galläpfel, Wolfs- oder Bärenlosung, so genau weiß man das nicht, weil man niemals ein Tier sieht dort in den Bergen, außer Vögel.

Bier, Wein, Schnaps – nicht der gewohnte Grappa, sondern Sliwowitz, dann noch einen Absacker zu unseren Freunden, noch in bissl Rotwein und Chips (endlich) und ab ins Bett.

13.4. Abreise, super leere Straßen, die kontrollieren doch fast alle Pässe an den Grenzen, Wartezeit war aber kaum der Rede wert, zu Brigitte Heim und aufs Motorrad – ohne Regen nach Wien – sehr, sehr schöner Urlaub in einem mir noch unbekannten Gebiet. Meer und Berg ist eine wunderbare Kombination, dort gibt es eine Muschelbank und Campingplätze, die vielleicht begutachtet werden müssen im Mai ?

Danke Brigitte!

Nachtrag: Wir hatten Walkie-Talkies mit, die es beim Liedl zum Schleuderpreis gab, sehr sinnvoll, wenn der Fluss Wasser führt und wegen des Rauschens oder der Routenführung keine Verständigung mehr möglich ist – haben gute Dienste geleistet.