in einem Kurs den ich leite befindet sich eine Frau, so alt wie ich, sie will so schnell wie möglich in die Arbeitswelt zurück ...

Über 50 ist es recht schwer in der Arbeitswelt, so wie wir sie kennen, wieder Fuß zu fassen - das ist ihr klar geworden.
Ihr ist auch klar, dass der Staat, um Steuern einnehmen zu können, Arbeitskräfte braucht, die Steuern zahlen.

Die Arbeitsplätze, die immer wieder, meist bei Wahlen, proklamiert werden, können in der notwendigen Anzahl nicht mehr geschaffen werden.
Sie kann sich keine andere Beschäftigung vorstellen, der sie nachgehen möchte. In ihren Gedanken hat sich das Wort "Arbeit" eingebrannt und sie kommt gar nicht auf die Idee etwas anderes zu tun, als zu arbeiten - natürlich um Geld zu verdienen, nicht, um glücklich sein zu können, in dem etwas getan wird was gern getan wird. Der einzige Grund ist Geld zu verdienen und das auf die einzige Art die sie kennen gelernt hat in ihrem Leben – durch Arbeit.
Sie will sich freiwillig in eine Abhängigkeit begeben, welche 30 oder 40 Stunden in der Woche ausmacht, damit sie sich sicher fühlt.

Manche würden jetzt meinen, dass wir das unserer Gesellschaft schuldig sind ...

Sie sucht also wieder und immer wieder genau das, was uns mehr und mehr abhandenkommt, die Arbeitsplätze so wie wir sie noch kannten, vor 10, 20 oder 30 Jahren.

Über 50 ist es nicht mehr so einfach sich umzustellen, mehrere kleinere Beschäftigungen anzunehmen, zurückzustecken, weniger zu brauchen, um damit Zeit für sich selber zu haben – Lebenszeit – nicht Arbeitszeit …

Der Staat reagiert nicht, die Wörter „bedingungsloses Grundeinkommen“ wurden seit der letzten Wahl nicht mehr erwähnt, immer und immer wieder wird mit Arbeitsplätzen argumentiert, die zuständigen Stellen reiten den schon toten Gaul weiter, europaweit, um solchen Personen doch noch den Weg in die Arbeitswelt schmackhaft zu machen, wenn notwendig mit Druck – aber der Gaul ist schon tot …